Pflanzenlexikon

Die Flora der Welt von A bis Z

Quitte (Cydonia oblonga)

Inhaltsverzeichnis:

Quitte (Cydonia oblonga)
Urheber: Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen

Systematik:

Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Tribus: Pyreae
Untertribus: Kernobstgewächse (Pyrinae)
Gattung: Cydonia

Synonyme: ua. Cydonia communis Loisel., Cydonia vulgaris Pers., Pyrus cydonia L., Sorbus cydonia Crantz

Bilder:

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Quitte (Habitus) Quitte (Frucht) Quitte (Blüten und Blätter) Quitte (Blätter)

Echte Quitte (Cydonia oblonga)

Seit jeher gelten die Quitten als Symbol für Liebe, Glück, Fruchtbarkeit, Klugheit, Schönheit, Beständigkeit und Unvergänglichkeit. Ihren Namen verdankt sie der griechischen Stadt Kydonia. Die Quitte ist außerdem Namensgeber für die Marmelade (von portugiesisch "marmelo" für Quitte).

Eine bedeutende Rolle spielten Quitten auch in der griechischen Mythologie. So glaubt man heute, dass etwa der goldene Apfel des Paris oder die Hesperiden-Äpfel eigentlich Quitten waren. Als Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galten die Früchte als Symbol für Glück, Liebe und Fruchtbarkeit. Im alten Rom waren die gelben Früchte als Weihegabe an die Nachtgöttin in den Herrenzimmern zu finden, wo sie ihren starken, zitronenähnlichen Duft verbreiten und die Angebetete betören sollten.

Quitten gehören zu den letzten Früchten im heimischen Saisonkalender. Geerntet werden sie im Spätherbst - also Anfang bis Mitte Oktober.

Vorkommen & Herkunft:

Als Ursprungsgebiet wird Südostasien vermutet. Angeblich ist der Quittenbaum schon 4000 Jahre vor unserer Zeitrechnung in Babylonien kultiviert worden. Den Römer haben wir die Verbreitung der Quitte auch nördlich der Alpen zu verdanken.

Heute werden Quitten vor allem in Südwestasien, Südostarabien sowie in Süd- und Mitteleuropa kultiviert.

Merkmale:

  • Habitus: 3 bis 4 (max. 8) m hohe Sträucher oder Kleinbäume, laubabwerfend;
  • Blätter: glänzend grün gefärbt, eiförmig geformt, an der Unterseite filzig, glatter Rand, wechselständig stehend, Blattstiel 8-15 mm lang, Blattspreite 5-10 x 3-5 cm;
  • Blüten: zwittrig, radiärsymmetrisch, fünfzählig, weiß bis zartrosa gefärbt, kelchartig nach oben gewölbt, einzeln stehend, Blütendurchmesser 4-5 cm, Blütenstiel behaart und ca. 5 mm lang;
  • Blütezeit: Mai-Juni;
  • Früchte: je nach Sorte apfel- oder birnenförmige Sammelbalgfrüchte (Apfelfrüchte), grün bis goldgelb, bei voller Reife leuchtend zitronengelb gefärbt; Durchmesser 8-15 cm (Wildform 3-5 cm), Gewicht 300-800 g (in südlichen Ländern bis zu 2 kg), Fruchtfleisch enthält zahlreiche Steinzellen;
  • Rinde: jung violett und behaart, später bräunlich-violett und glatt;
  • Chromosomenzahl: 2n=34;

Anbau:

Je nach Form der Früchte unterscheidet man Apfelquitten mit rosa Fruchtfleisch und Birnenquitten mit hellem Fruchtfleisch. Letztere sind etwas milder und saftreicher als die härteren Apfelquitten.

Quittenbäume bevorzugen tiefgründigen, humosen Gartenboden in sonniger und geschützter Lage. Die Quitte is selbstfruchtbar, d.h. es wird kein zweiter Baum zur Bestäubung benötigt. Fremdbestäubung fördert jedoch meist den Fruchtansatz.

Früchte trägt der Quittenbaum erst etwa ab dem achten Jahr. Die Baumscheibe sollte immer mit organischem Material (Rindenmulch) dick abgedeckt werden. Nicht hacken, und auch nicht graben. Regelmäßiger Schnitt ist nur bis zur Kronenbildung erforderlich, danach nur die Jahrestriebe einkürzen und querstehende Zweige entfernen.

Quittenbäume werden gerne als Unterlage für andere Obstsorten, vorzugsweise für Äpfel oder Birnen verwendet. Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Wurzelsprosse.

Verwendung in der Küche:

Quitten sind jedoch keine Tafelfrucht zum Rohverzehr, was am herbsäuerlichen Geschmack, am harten Fruchtfleisch und den Steinzellen liegt. Von den etwa 200 Quittenarten sind nur sehr wenige roh genießbar. Die Quitte wird bei einer Vielzahl von Produkten geschätzt, so bei Kompott, Gelee, Marmelade, Süßmost sowie bei Backwaren, Likör und Eingelegtem.

Grundsätzlich gibt es zwei Quittensorten, die Apfel- und die Birnenquitte. Sie unterscheiden sich in Form, Konsistenz und Aroma. Birnenförmige Quitten haben ein weicheres Fruchtfleisch und weniger Steinzellen. Sie haben auch ein milderes Aroma als die Apfelquitten und sind bei uns die Beliebteren. Apfelquitten haben ein trockeneres und härteres Fruchtfleisch, sind dafür aber aromatischer. Zur Verarbeitung reibt man zunächst den Flaum der Früchte mit einem Küchentuch ab. Dann wird das harte Fruchtfleisch von allen vier Seiten neben dem Kerngehäuse abgeschnitten. Für viele Rezepte können Quitten mit Schale verarbeitet werden. Die Garzeit für grobe Stücke beträgt 20 bis 30 Minuten. Rezepte rund um die Quitte finden Sie in unserer Rezeptekiste

Tipps:

  • Für die Verarbeitung der Früchte zu Gelee und Kompott dürfen sie nicht zu reif geerntet werden, weil sonst das in den Früchten vorhandene Pektin zu stark abgebaut ist und keine genügende Gelierwirkung mehr vorhanden ist.
  • Sinnvoll ist eine Ernte beim Farbumschlag von grün nach gelb.
  • Obwohl Quitten ein hartes Fruchtfleisch besitzen, ist die Schale empfindlich. Aus Druckstellen entwickelt sich schnell Fäulnis.
  • Ihr starker Geruch überdeckt alle anderen Gerüche. Nicht zusammen mit Äpfeln, oder Birnen lagern.

Inhaltsstoffe:

Von den Inhaltstoffen der Quitten sind Eisen und vor allem der hohe Gehalt von Pektin interessant. Durch die Pektine gelieren Quittenprodukte ausgezeichnet. Zur Nährwerttabelle >>

Medizinische Anwendung:

  • Verwendet werden die Frucht und die Kerne.
  • Die Kerne der Quitte enthalten große Mengen an Schleimstoffen. Dieser Quittenschleim soll - äußerlich angewendet - Sonnenbrand, rissige Haut und Aufschürfungen, spröde Lippen und entzündete Augen lindern. Innerlich angewendet soll er bei Magen-Darmschleimhaut- Entzündung, Halsweh, Husten und Bronchitis helfen. Einen Teil unzerkleinerter Kerne in acht Teilen Wasser ansetzen. Nach 15 Minuten erhält man den Quittenschleim.
  • Die gekochte Frucht hilft bei Magen- und Darmschleimhautentzündungen, Durchfall, wirkt zusammenziehend und reizmildernd.
  • In der Naturheilkunde wird die Quitte bei Entzündungen von Hals oder Zahnfleisch verwendet, außerdem soll sie Nervosität lindern. Die enthaltene Fruchtsäure wirkt blutstillend.
  • Pektin senkt den Cholesterinspiegel, bindet Schadstoffe und hilft so dem Körper, zu entgiften.

Weitere Infos:

  • Infoschrift zur Quitte von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Garten PDF (3 Seiten)
  • Broschüre des Dienstzentrums Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz mit Sortenbeschreibung und Tips für Brenner PDF (5 Seiten)
  • Infoschrift zu Anbau und Pflege, Sortenbeschreibung, Krankheiten und Schädlingen PDF (2 Seiten)
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25-03-2018 10:21:10
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